© www.hgeiss.de   Vom Leben der Echraner


Fragen zum echranischen Leben

 

Frage: Noch ein Utopia. Gibt es nicht schon genug?

 

Antwort: Oskar Wilde schrieb, es lohne sich nicht einen Atlas aufzuschlagen, in dem Utopia nicht eingezeichnet sei.

 

Echra ist ein Utopia, aber ein sehr bescheidenes, was es von anderen Entwürfen schon einmal grundlegend unterscheidet: Echra ist kein Schlaraffenland, sondern eine kleinbäuerliche Selbstversorgergesellschaft, in der viel Schweiß fließt und die dicht an der Grenze zur Ärmlichkeit angesiedelt ist, für viele also eine schlimme Vorstellung. Echra stößt Linke, Liberale und Konservative gleichermaßen vor den Kopf. Die einen, weil sie von einem Luxusleben für alle träumen, die anderen, weil sie von einem Luxusleben für wenige träumen und die Rechten sowieso, weil sie mit echranischer Freisinnigkeit, mit Religionslosigkeit und der gleichzeitig urchristlichen Verteufelung des Mammons, sich überhaupt nicht anfreunden können.

Prächtige Voraussetzungen also, von allen Lagern verlacht zu werden...

 

 

Frage: Gibt es in Echra Askese?

 

Antwort:  Grundsätzlich ist uns nichts tabu, was das Leben lebenswerter macht, was die Lust an etwas erhöht. Wenn man mit Fasten seinem Körper etwas Gutes tun kann, sich selber beherrschen lernt oder die Freude am Essen, an einfachen Speisen, steigern kann, dann ist Fasten eine gute Sache. Quält sich jemand damit, um einem imaginären Wesen gefallen zu wollen oder sich selbst oder seine Umgebung zu bestrafen, riskiert er damit gar Leben und Gesundheit, dann lehnen wir das ab.

 

Für Meditationen, Yoga, Sport usw. gilt ähnliches. Sie sind wunderbare Mittel das Leben durch Konzentration, Kontemplation, Beherrschung von Körper und Geist reicher zu machen. Doch gibt es auch hier eine Grenze, wo ein Zuviel oder eine zu große Verbissenheit Schaden verursacht. So ist Sport beispielsweise ei­ne herrliche Beschäftigung, die Körper und Geist gesund erhält, Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit fördert und durch gemeinsames Spiel die Beziehungen zwischen den Menschen verbessert. Einen verbissenen Wettbewerb daraus zu machen und nur nach immer höherer Leistung und Sieg über andere zu streben, wäre aber wenig echranisch.

Auch wer sich dem Leben durch ein Übermaß von meditativer Versenkung entfremdet, handelt unvernünftig, denn Meditation und Yoga sollten immer Werkzeug zum Leben sein und nicht das Leben beherrschen.

 

Frage: Echraner gehören keiner Kirche an, ja, sie glauben wohl nicht einmal an Gott. Kann es aber ohne Religion überhaupt eine Moral geben, ein Gut und Böse geben? Führt ein Leben ohne Gott nicht zwangsläufig zu einem Dschungelsystem, in dem sich der Stärkere durchsetzt?

 

Antwort: Kirche sind Institutionen die vorgeben zwischen den Menschen und Gott zu stehen. Sie behaupten gerne, dass es ohne ihre Lehre den Menschen an Orientierung fehlen würde. Ihre Dogmen und das Predigen göttlicher Gebote mache die Heiden sittlicher, nicht zuletzt durch die Androhung eines jenseitigen Gerichtes. Wer sich die aber die Welt betrachtet sieht, dass zweitausend Jahre Christentum die Menschen nicht besser gemacht haben, im Gegenteil! In keinen anderen Kulturkreisen gibt es soviel Gegeneinander und Machtgier. Die Amtskirche hat die ursprüngliche Lehre mißbraucht und sich zum Werkzeug der wirtschaftlich Mächtigen gemacht. Dieser unselige Pakt zieht eine blutige Spur der Verwüstung durch die Jahrhunderte, ungezählte Kulturen wurden zerschlagen, Andersdenkende als Ketzer verbrannt, die Erde im biblischen Auftrag untertan gemacht. Der gegenwärtige Zustand der Erde sollte eigentlich als Antwort ausreichen.

 

Ob Echraner an Gott oder Götter glauben, das geht nur sie selber etwas an. Unsere Toleranz in diesen Dingen ist zweifellos nicht ungefährlich, denn eigentlich darf man Religionen gegenüber nicht tolerant sein, denn sie sind es auch nicht, wie die Geschichte von Juden- und Christentum und vom Islam zeigen. Sobald ein Mensch einer Religion verfällt, ist er ihren Dogmen verpflichtet und für eine aufgeklärte Gemeinschaft verloren. Toleranz, Freiheit und Religion schließen sich zwangsläufig aus, auch wenn etwa das Christentum gerne mit diesen Begriffen hausieren geht, doch jede Freiheit und jede Toleranz wurde der Kirche erst in blutigen Kämpfen abgetrotzt.

 

Da wir Echraner uns aber bemühen, aus allem was Menschen gedacht und geschaffen haben, das Gute und Brauchbare herauszuklauben, so gilt das auch für die Religionen. Und so finden sich etwa christliche Grundeinsichten auch in der echranischen Ethik wieder. Doch wären sie dort auch gelandet, wenn es das Christentum nicht gäbe, denn seine Ethik ist ja auch nur aus älteren Philosophien und Religionen zusammengeklaubt. Bis auf die Feindesliebe. Doch nichts findet sich in der Geschichte der Christenheit weniger als sie....

 

Frage: Eine arbeitsteilige Gesellschaft war und ist die Bedingung für jeden Fortschritt. Mit der weitgehenden Aufkündigung der Arbeitsteilung sind die Echraner auf den Entwicklungsstand der Vorzeit zurückgekehrt, das kann doch wohl nur ein Witz sein!

 

Antwort: Keine andere Lebensweise fordert und fördert den Menschen mehr, als wenn er in möglichst vielen Lebensbereichen zu Hause ist und sich seine Bedürfnisse selbst zu befriedigen lernt, nichts schenkt größere Befriedigung und Unabhängigkeit.

Der Philosoph Karl Marx glaubte alleine die Vergesellschaftung der Produktionsmittel würde die Entfremdung aufheben und die Menschen glücklich machen, doch in den großen sozialistischen Massenexperimenten wurde das Gegenteil bewiesen. Der Mensch braucht zu seinem Glück die Möglichkeit, es sich selber zu schmieden. Die Abschaffung des Eigentums war ein großer Irrtum, der Mensch braucht zu seinem Wohlbefinden das für ihn Nötige und das größte Glück ist es für ihn, es sich selber eigenverantwortlich schaffen zu können.

  

Frage: Ein kollektives Vernünftigwerden ist bei uns verführbaren Menschen doch absolut unwahrscheinlich, da wachsen uns doch eher Flügel oder Schwimmhäute! Was Sie den Echranern an Qualitäten andichten, haben bislang nur einzelne Weise geschafft und auch diese nur zeitweise, in aller Regel nach dem Beschreiten ernüchternder Irrwege. Menschen werden nur durch Schaden klug, und auch diese Klugheit ist zumeist nicht von Dauer. Echra ist daher nicht möglich und - von der Naturverträglichkeit abgesehen - auch nicht wünschenswert. Ist es nicht die Beschränktheit der Mitmenschen, die uns klug macht? Ihre zerstörerische Gier, die uns bescheiden macht? Ihr Unglück, das unser Nichtunglück als Glück er­scheinen lässt? Man stelle sich das nur einmal vor: ein ganzes Land voller Individualisten, Menschenfreunde, Naturliebhaber, Lebenskünstler! Grauenhaft! Wollen Sie dazu noch etwas anmerken?

 

Antwort: Nein.