© www.hgeiss.de   Vom Leben der Echraner


Von unserer Freiheit

Die Freiheit des einzelnen ist in Echra ein hohes Gut und Bevormundung gilt uns als unsittlich. Die persönliche Freiheit hat nur dort ihre natürliche Grenze, wo die der Mitmenschen beginnt. In allen Bereichen, die keinem anderen schaden, gibt es für den einzelnen keinerlei Einschränkungen. Jeder Echraner gestaltet sein Leben, wie es seinen Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht. So ist es in Echra undenkbar, dass sich die Gemeinschaft mit allgemeinen Regeln und Vorgaben in diesen privaten Freiheitsraum einmischt, beispiels­weise in weltanschauliche oder religiöse Dinge, das äußere Erscheinungsbild eines Menschen oder sein Verhalten. Ebenso wenig bestimmt die Gemeinschaft, wie und wo einer sein Wohnhaus zu bauen hat, es sei denn, ein Nachbar hätte davon Nachteile.

Der Alltag bringt genug Abhängigkeiten und Nöte mit sich. Die Menschen zusätzlich zu gängeln und ihnen das Leben zu vergällen, lehnen wir aus tiefstem Herzen ab.  

Jeder Echraner versucht für sich möglichst viel Freiheit zu verwirklichen, etwa Freiheit von Krankheit und Schmerz durch vernünftige Lebensführung, Freiheit von Bedrohungen durch die Mitmenschen, in dem er sich freundlich und hilfsbereit verhält, Freiheit von Todesfurcht durch Beseitigen ängstigender Vorstellungen von einem Strafgericht nach dem Tod.  

Nun wird ja auch außerhalb Echras viel von Freiheit gesprochen, doch scheint diese meist nur ein Synonym für Egoismus und Rücksichtslosigkeit zu sein. Oder wie soll man einen Zustand nennen, in dem alles produziert werden darf, egal, ob es Nutzen bringt oder Schaden? Eine Freiheit die es gestattet, die Atmosphäre mit irrsinnigen Mengen von Schmutz und Gift zu verunreinigen, die Flüsse als Abwasserkanäle zu missbrauchen, eine Freiheit, die den Betrieb von Atommeilern erlaubt, obwohl die Rückstände daraus noch Tausende von Jahren die Nachfahren gefährden, eine Freiheit, die immer neue Chemikalien in die Biosphäre abgibt, ohne die Folge- und Kombinationswirkungen zu kennen, - eine Freiheit, die die Ressourcen des Planeten plündert, so als ob es keine zukünftigen Ge­nerationen mehr gäbe-, eine Freiheit, die das Land mit Straßen durchschneidet und erlaubt, mit stinkenden und lärmenden Maschinen darauf zu rasen und jährlich Menschenopfer in Größenordnungen hinnimmt, wie man sie von Kriegsstatistiken kennt – das sind Zerrbilder von Freiheit. Der Begriff Freiheit wird missbraucht, ja, er wird geradezu im gegenteiligen Sinn verwandt. Wie sonst könnte man einen Menschen frei nennen, der von tausenderlei Konsumwünschen getrieben wird, der durch Warenrausch, Gier, Ruhm- und Machtsucht, Stolz und Ehrgeiz wie eine Marionette ferngesteuert wird?