© www.hgeiss.de   Vom Leben der Echraner


Vom Wohnen

Unsere Architektur ist ähnlich individuell und vielfältig wie unsere Kleidung. In Echra gehört es zu den Grundrechten jedes Menschen,  dass er sein Wohnhaus - das ja seine dritte Haut ist -  nach eigenem Vorstellungen bauen darf, ohne von einer Behörde gegängelt zu werden.

Wer bei uns großartige Wohnvillen erwartet, wird enttäuscht sein, denn wir bauen keine Häuser zu Prestigezwecken. Unsere Häuser sollen uns nur Schutz bieten vor der Glut der Sommersonne, vor Niederschlägen und vor der Kälte, sie sollen uns geschützte Werkstätte sein und warmes Schlafnest. Da sich unser Leben überwiegend im Freien abspielt, reichen uns wenige Räume aus und unser soziales Leben spielt sich sowieso meist in den dörflichen Gemeinschaftsräumen ab.

Auch wenn sich unsere Wohnhäuser in Form und Ausgestaltung  unterscheiden, so verbindet sie doch die Verwendung des aus der Umgebung stammenden natürlichen Baumaterials, was sie alleine schon in die Landschaft integriert. Die Außenwände sind meist aus Natursteinen, gestampftem Lehm oder Holz. Die Dächer sind mit Stroh oder Schindeln gedeckt, recht beliebt sind auch Gras oder Moosdächer. Für Zwischendecke und Dach verwenden wir meist Rundhölzer, die stabil sind und leicht beschafft werden können, ohne erst eine kraftfressende Säge durchlaufen zu müssen. Da uns rechter Winkel und gerade Linie wenig gelten, verwenden wir zum Bauen auch gerne krumm gewachsene Laubhölzer, worin sich auch unser Streben nach Funktionalität und möglichst organischen Formen ausdrückt.

Die Fenster der Wohnräume richten wir zur Sonne hin aus, um möglichst viel davon während des Winterhalbjahres einzufangen. An der Nordseite schließt dagegen meist Stall und Heuschober an, was sich ebenfalls günstig auf die Wärmeversorgung auswirkt. Unter den Heuschober liegen zumeist gemauerte Keller mit gewachsenem Erdboden, in denen Gemüse und Obst frostfrei gelagert werden können. Das Wurzelgemüse bleibt darin frisch bis zur nächsten Ernte.  

Sehr verbreitet sind bei uns an der Sonnenseite überdachte Terrassen, etwa wie man sie von amerikanischen Farmhäusern kennt. Das Dach schützt die dahinter liegende Stube vor der direkten Sommersonne, während die tiefstehende Wintersonne ungehindert einstrahlen kann. Vom Frühjahr bis zum Herbst ersetzt die Terrasse die Stube, denn wir leben gerne im Freien.  

Die größere Gemeinschaftlichkeit in den Kooperativen drückt sich auch architektonisch aus, die Häuser reihen sich dort aneinander und umschließen einen gemeinsamen Park, der den Bewohnern als sozialer Raum dient. An den Außenseiten liegen die Obst- und Gemüsegärten. An das Wohngeviert schließt meist ein zweiter Hof mit den Gemeinschafts- und Wirtschaftsgebäuden an. In den Zeitdörfern gibt es meist noch einen dritten Hof mit den speziellen Produktionsanlagen.  

An Gemeinschaftsgebäuden gibt es in jeder echranischen Ansiedlung einen Saal für Versammlungen, für Tanz und Unterhaltung, für kulturelle Veranstaltungen und auch für Spiel und Sport. Die Seele jeden Dorfes ist wohl seine Bibliothek. Sie wird als Hort menschlichen Geistes von allen gehütet und rege besucht.

Daneben gibt es noch Räume für Gruppenaktivitäten und einige, die als Schulungsräume dienen. Auch das Amtszimmer des Koordinators ist in dem Gemeinschaftskomplex untergebracht.  

Besuchern fällt besonders das Fehlen jeglicher Reprä­sentationsbauten ins Auge, da sie gewohnt sind an diesen die Bedeutung einer Kultur zu messen. Doch in Echra gibt es keine Paläste, alles ist bescheiden und auf die Funktion beschränkt, darin drückt sich gerade unsere Kultur aus.

Wer aber näher hinsieht wird erkennen, dass die Gebäude einmalig in Form und Ausführung sind, stabil und gediegen gebaut und in manchen Details überraschen. Alle verwendeten  Baumaterialien sind massiv und echt, nichts gibt vor mehr zu sein als es ist. Nichts ist furniert und aufgeblasen, es gibt keine Effekthascherei.  

Wir bemühen uns die Gebäude immer auf weniger fruchtbarem Land zu errichten. Der jeweils abgetragene Humus wird in der Nähe zu einem fruchtbaren Hügel geformt, um damit bei späterem Abriss eines Hauses die entstandene Wunde wieder schließen zu können.

Auch wenn es bei uns keine behördliche Bevormun­dung beim Bau von Wohnhäusern gibt, so gilt doch der Grundsatz, dass kein Nachbar durch einen Bau geschädigt werden darf und bei einem späteren Abriß keine schädlichen Stoffe zurückbleiben dürfen. Auch aus diesem Grund werden nur natürliche Baustoffe verwendet, die entweder wieder zu Erde werden oder wie Steine und Glas wiederverwendet werden können. In einem Land der Barfußläufer wird mit Glas übrigens sehr sorgsam umgegangen und alle Scherben gesammelt und wieder eingeschmolzen